UNSER NORMALROUTENVERLASSER BERND
HANDELT LIEBER ANSTATT ZU JAMMERN

UNSER NORMALROUTEN-VERLASSER BERND
HANDELT LIEBER ANSTATT ZU JAMMERN

Bernd Beigl, Weltbürger, Allroundtalent, Sachenmacher und einer unserer #NORMALROUTENVERLASSER erzählt uns über irrwitzige Weltrekorde, die Kunst der Selfchallenge und warum die Bodenständigkeit den Weg zum Erfolg ebnet.

Nichtstun ist nichts für ihn: Der 53-jährige Generalist Bernd Beigl aus Augsburg bevorzugt selbst in Zeiten wie diesen lieber Handeln statt Jammern. Als ehemaliger Bankkaufmann wagte er einst den Absprung zum selbstbestimmten Lebenskünstler. Damals noch von Kopfschüttlern belächelt, überzeugt er heute durch seine mutigen Ideen. Ob als Teilnehmer in diversen TV-Shows, Gründer einer Kulturküche, Rekordhalter im Bananenessen unter einer Minute oder ausdauernder Extremsportler – nichts scheint unmöglich. Ich habe mit dem Tausendsassa über die schiere Unmöglichkeit des Scheiterns gesprochen, und was ihn eigentlich um-, bzw. antreibt.

XM: Bernd, herzlich willkommen hier in der Skylounge. Gäbe es einen Film über Dich und Dein nonkonformes Leben – welcher Schauspieler sollte Deine Rolle übernehmen?

Bernd (überlegt): Gute Frage. Darüber müsste ich etwas länger nachdenken. Aber grundsätzlich würde ich wohl sagen, dass ich die Rolle am besten selbst übernehmen sollte. Schließlich passt das in mein Lebenskonzept.

Für ein Leben auf dem Hochseil muss man solidarisch sein

XM: Wie lautet denn Dein Lebenskonzept?

Bernd: Zuversicht und Karma! Ich bin davon überzeugt, dass sich alles immer irgendwie fügen wird, wenn man nur angstbefreit und bodenständig an die Sachen herangeht. Viele Menschen denken ihre Ideen nicht zu Ende – sind erst furchtbar euphorisch – und wundern sich dann, dass sie letztendlich scheitern. Ich überlege mir vorher ganz genau, ob das, was ich mir in den Kopf gesetzt hab, auch wirklich gelingen kann. Und ob ich mir das überhaupt zutraue. Es wirkt zwar oft alles ziemlich unüberlegt, aber eigentlich durchdenke ich jedes Szenario penibel genau, bevor ich loslege. Ein Leben auf dem Hochseil kann man nur führen, wenn man dabei sehr bewusst vorgeht. Und wenn man solidarisch ist.

XM: Was meinst Du mit solidarisch?

Bernd: Na ja, Nehmen besteht aus Geben. In einer Solidargemeinschaft schenkt man der Gesellschaft genauso viel, wie man letztendlich auch zurückbekommt. Ich gebe viel. Und vielleicht bin ich deshalb auch so vom Erfolg gekrönt und genieße heute die Freiheit zu machen, worauf ich Lust habe. Ich erhalte bei jeder noch so verrückt klingenden Schnapsidee Unterstützung durch mein Umfeld. Und das – glaube ich – weil ich eben auch andere unterstütze. Das große Ganze zählt, nicht man selbst. Deshalb glaube ich auch nicht an den marktorientierten Kapitalismus, sondern an bedingungsloses Grundeinkommen. Ich habe das große Glück, meistens finanziell unabhängig agieren zu können. Und deshalb gelingt mir wahrscheinlich auch so viel.

Bernd trifft beim “Wir-Zusammen-Treffen” im Bundeskanzleramt Angela Merkel

Verleihung des Bayerischen Integrationspreises an Bernd und seine Kulturküche in der Staatskanzlei

In meiner Kindheit wurde mir viel zu wenig zugetraut

XM: Zum Beispiel auch Weltrekorde. Du bist aktuell dreifacher Weltrekordhalter. Nämlich in: Längste Stadtführung (2010 Minuten), die meisten Bananen unter einer Minute essen (6) und 155 km Nordic Walking in 24 Stunden. Wie kommt man auf solche Ideen und warum?

Bernd (lacht): Ganz ehrlich? Meistens sind diese Ideen einfach nur Zufall. Beim Bananen-Weltrekord zum Beispiel hatte ich damals eine Diskussion mit meinem Team in der Kulturküche darüber, wie wichtig gute und faire Lebensmittel sind. Dabei kam ich vor allem auf Bananen, weil ich die echt liebe. Und Weißwürste auch. Jedenfalls meinte ich irgendwann „Niemand kann Bananen so schnell und so viel essen wie ich!“ Dass ich das dann auch beweisen musste, war ja ganz klar …

XM: Den Beweis hätte ich wirklich gern gesehen. Würdest Du sagen, man kann Dich leicht challengen und zu Verrücktheiten bewegen?

Bernd: Auf jeden Fall. Da spielt mir vielleicht auch mein Ego einen kleinen Streich. In meiner Kindheit wurde mir viel zu wenig zugetraut. Deshalb kämpfte ich mich Schritt für Schritt aus meinen Angstfesseln und entscheide heute selbst, was ich mir zutrauen kann. Dazu gehören eben auch lustige Dummheiten.

Einsame Nächte im Wald beim Corona-Marsch quer durch Deutschland

Als es losgehen sollte, war plötzlich Corona da

XM: Du machst so unglaublich viel, eigentlich müsste dieses Gespräch 24 Stunden dauern und vielleicht kann man es anschließend als das längste Interview der Welt im Guinness-Buch der Rekorde geltend machen. Leider haben wir nur begrenzt Zeit. Deshalb noch kurz zu deinem jüngsten Projekt: Du bist während Corona zu Fuß durch Deutschland marschiert. Und zwar vom bayerischen Oberstdorf bis kurz hinter Flensburg an die dänische Grenze. Warum? War das auch wieder eine Selfchallenge?

Bernd: Ja und nein. Letztes Jahr war ich bei einem Afrika-Vortrag und da wurde von Heine Stupp erzählt. Der ist 1895 zu Fuß um die Welt gelaufen. Das hat mir echt schwer imponiert. Ein paar Wochen später hörte ich dann von Rüdiger Nehberg und seiner geplanten Tretboot-Atlantik-Überquerung. Zuerst dachte ich, dass ich da gern mitmischen will. Als ich ihn deshalb in Hamburg besuchte, erzählte er mir aber von seinem Deutschlandmarsch in den Achtzigern. Und da dachte ich, lieber das zu versuchen. Als es losgehen sollte, war Corona plötzlich da. Also habe ich mir ganz genau überlegt, ob ich das in dieser Zeit bringen kann. Letztendlich kam ich aber zu dem Schluss, dass alleine laufen und im Zelt schlafen niemandem schadet. Weder mir, noch anderen. Also marschierte ich los.

Von Oberstdorf bis Flensburg während Corona mit Rucksack und Zelt, 1100 km, 21 Tage

Ankunft in Kiel am 21.04.2020

Was ist das denn bitte für eine Pfeife!?

XM: Während Deiner Tour wolltest Du auch Herrn Nehberg besuchen. Der verstarb aber ganz plötzlich. Hat Dich das nicht aus dem Konzept gebracht? Wie ging es dir, nachdem Du die Nachricht erhalten hast?

Bernd: Ja, das war schon ein Schock für mich. Aber der Gedanke, er könnte gerade von oben auf mich runterschauen und sich denken, „was ist das denn bitte für ’ne Pfeife!“ war eindeutig größer. Also marschierte ich weiter und besuchte seinen Stiefsohn. Das Gehen half auch beim Verarbeiten. Es befreit den Kopf.

XM: Ja, das stimmt. Viele haben während Corona das Laufen für sich entdeckt. Was wird dein nächstes Projekt sein?

Bernd (überlegt kurz): Also aktuell schreibe ich ein Buch über mich und meinen unkonventionellen Lebensweg. Dabei wird auch das Scheitern eine Rolle spielen. Außerdem hatte ich vor Kurzem eine Idee für eine neue Challenge. Ich besitze ein Fahrrad, das genauso alt ist wie ich und nur einen Gang hat. Das will ich fit machen und damit nach Sizilien fahren. Mit Rennrädern kann das jeder. Aber mit ’nem eingängigen Drahtesel?

XM: Ich bin wirklich sehr gespannt auf Deine Tour. Vielleicht kann ich ja auch in Deinem Buch darüber lesen, wie sie ausging.

Vielen Dank für das tolle und inspirierende Gespräch.

Das Interview führte Nadine Zwingel

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