"ICH HÄTTE JETZT GERNE EINEN TELEFONJOKER!"

Wohin jetzt? Gabi, meine Schwägerin, ist der Meinung, wir müssen rechts gehen. Meine App sagt aber, wir müssen links. Und der verdammte Wegweiser zeigt geradeaus! Wir stehen ratlos mitten im Nirgendwo auf einem Berg im Chiemgau und überlegen, ob wir die 1,5 Stunden Weg, die schon hinter uns liegen, jetzt wieder zurück zur Hütte gehen sollten. Keiner von uns hatte damit gerechnet, dass Anfang Mai noch so viel Schnee liegen würde. Und vor allem nicht, dass dort keinerlei Fußspuren zu finden sind, die uns zeigen würden, wo der Weg ist.

Tatsächlich kommt unser Telefonjoker in Form eines einheimischen Wanderers in kurzen (!!!) Hosen (bei ca. 40 cm Schnee) direkt auf uns zu – in diesem gefühlten Nirgendwo. Er klärt uns auf, dass der Wegweiser tatsächlich in die falsche Richtung zeigt. Er rät uns außerdem, lieber eine andere als unsere geplante Route zu gehen, da durch den Neuschnee vom vergangenen Wochenende der Weg für uns „Touris“ nicht auszumachen sei. Unser Tag ist gerettet!

„Mir brennt die Nase!“

Die Chiemgaurunde die wir uns vorgenommen hatten, ist eigentlich eine gut ausgeschilderte 3,5-Tageswanderung von mittlerer Schwierigkeit. Für den vorhergesagten Regen sind wir gut gewappnet – aber der Neuschnee und auch der strahlende Sonnenschein haben uns eiskalt bzw. heiß erwischt. Orientierung verloren und einen saftigen Sonnenbrand im Gesicht – das ist das Ergebnis von Tag zwei unserer Wanderung.

Herbst, Winter, Frühling: alles in einer Wanderung

Wir starten im herbstlich-regnerischen Hohenaschau, wandern zum schneebedeckten Gipfel des Hochries, am nächsten Tag bei herrlichem Sonnenschein wieder runter ins frühlingshafte Tal und dann wieder nach oben zur Spitzsteinhütte. So erleben wir drei Jahreszeiten im Sauseschritt und die scheinbare Metamorphose, die die Natur durchlebt, können wir mit jedem Höhenmeter regelrecht mitfühlen.

Absolut empfehlenswert

Einige Wegabschnitte können wir wegen des vielen Schnees nicht gehen und auch den Aufstieg von der Priener Hütte über den Geigelstein zur Kampenwand am letzten Tag müssen wir leider auslassen. Doch auch die Alternativrouten durchs Tal sind absolut sehenswert und zu empfehlen. So entdecken wir zum Beispiel am letzten Tag noch einen wunderschönen etwa 50 Meter hohen Wasserfall, der uns ausreichend für das fehlende Gipfelerlebnis entschädigt.

Fazit:
Für uns war die Chiemgaurunde eine leicht abenteuerliche, in Maßen anspruchsvolle Wanderung, die alle unsere Erwartungen erfüllt und teilweise sogar übertroffen hat.

Autorin: Petra

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