DAS KRIBBELN DER BILDER
DER OUTDOOR FOTOGRAF CHRISTIAN SCHEIFFELE

Als @holysh0t (Instagram) gewann er den Outdoor Foto Award „EXPEDITION MARKE one“. Zur Gewinnübergabe in Form eines symbolischen Schecks hat er uns in der proteco SKYLOUNGE besucht: Der gebürtige Allgäuer und Wahlmünchner Christian Scheiffele. Eine prima Gelegenheit, ihm ein paar Fragen zu stellen.

XM: Christian, herzlich willkommen hier bei uns und herzlichen Glückwunsch zu Deinem Awardgewinn – Dein erster?
Christian: Danke! Ja, mein erster. Ich habe mich riesig gefreut.
XM: Wobei ich gesehen habe, dass Du mit diesem Bild ja schon einmal recht weit vorne gelandet bist.
Christian: Ja, stimmt. Bei einem Fotowettbewerb von GEO kürzlich. Allerdings nur auf dem zweiten Platz. Aber irgendetwas scheint es mit dem Bild auf sich zu haben.
XM: In der Tat. Anders formuliert: Das Juryergebnis war nach der Sichtung von über 500 Bildern megaknapp – teils mit nur einem Punkt Unterschied zwischen den Platzierungen. Bis auf Dein Bild. Das stand knapp fünf Punkte vor Platz zwei. Wo ist es eigentlich entstanden?
Christian: Letzten Juni in Island, am Seljalandsfoss um 23:09 Uhr (siehe auch Clip weiter unten), eigentlich einem der touristischsten Orte an der südlichen Ringstraße. Da es aber schon recht spät war, sind die meisten Leute wieder gegangen.

Für Drama braucht es das Quäntchen Glück

XM: Plant man solche Fotos? Wer ist der Mann unten am Fluss?
Christian: Der Mann ist ein Randomguy – wahrscheinlich auch ein Tourist. Ich glaube, er hat zur selben Zeit ein Handybild gemacht. Planen? Im Grunde ja. Wenn ich auf Fototrip gehe, verbringe ich vorher zuhause teils Nächte auf Googlemaps, um mir Locations und mögliche Motivkonstellationen zu überlegen. Die packe ich dann alle in eine Tour und los geht‘s. In Island habe ich dann sogar meinen Rhythmus komplett umgedreht. Das heißt, ich habe tagsüber geschlafen und nachts fotografiert.
XM: Stelle ich mir jetzt stressig vor. Vor allem, wenn man dann vor Ort ist und zum Beispiel das Licht nicht passt …
Christian: Auch das – also den Sonnenstand – kann man recht gut planen. Mit Photopills zum Beispiel. Einer echt coolen App, die einem für jeden Ort auf der Welt den Sonnenstand zu einem bestimmten Zeitpunkt anzeigt. Aber so eine Wolkenstimmung mit diesem Drama und Licht – da braucht man halt einfach auch Glück.

Oft entdeckt man die besten Bilder nicht sofort

XM: Als Du von Deinem Gewinn erfahren hast, warst Du gerade in Patagonien. Auch zum Fotografieren?
Christian: Ja. Ein Riesenerlebnis. Ich war zum ersten Mal auf einer geführten Fotoreise. Schon cool, wenn man von Insidern zu den richtigen Spots geführt wird, denn über Patagonien findet man online ziemlich wenig Tipps.
XM: Und, sind wieder solche Bilder dabei wie Dein Siegerfoto?
Christian (lacht): Vielleicht. Oft entdeckt man wirklich coole Bilder ja nicht sofort. Manchmal ist es erst der spezielle Ausschnitt, der ein Bild so besonders macht. Aber bei insgesamt 2500 Aufnahmen… – mal sehen. Ich habe noch nicht mal die Hälfte gesichtet.

Das Kribbeln, wenn man spürt: Jetzt wird es DAS Bild

XM: Was genau gefällt Dir so am Fotografieren?
Christian: Das ständige draußen sein. Am liebsten in der Wildnis. Die unglaubliche Ruhe, sich nur mit der Landschaft um einen herum beschäftigen zu dürfen. Und dann auf einmal das Kribbeln, wenn man spürt: Wenn ich es jetzt nicht vergeige, wird es vielleicht das eine, wirklich richtig coole Bild …
XM: Du bist kein professioneller Fotograf, sagtest Du mir vorhin. Was sehr schön ist, denn genau an solche wollten wir uns mit dem Award wenden. Was bist Du von Beruf?
Christian: Gamedesigner, aber momentan im IT-Bereich tätig.
XM: Gamedesigner? Das ist ja mal ein exotischer Beruf.
Christian: Stimmt. So exotisch, dass man in Deutschland nur schwer als solcher arbeiten kann. Da müsste ich schon nach Kanada auswandern – dem Eldorado der Branche.

Vielleicht gebe ich mir bald wirklich einen Ruck

XM: Würde Kanada nicht zu Deiner Leidenschaft als Outdoor Fotograf passen?
Christian (lacht): Ja, mittlerweile sehe ich das auch fast so. Das mit der Fotografie ist allerdings erst in den letzten Jahren wirklich wichtig für mich geworden. Aber wer weiß – vielleicht gebe ich mir bald wirklich einen Ruck. Dieses Jahr bin ich jedenfalls ganz sicher wieder im Juni in Island. Diesmal noch abenteuerlicher mit Geländewagen und Zelt im Hochland. Und im September bin ich mit meinem Vater unweit der kanadischen Grenze unterwegs.
XM: Beides Mal zum Fotografieren?
Christian: Ja. Ich glaube, ich habe diese Leidenschaft und auch das Interesse für Technik von meinem Vater geerbt. Jetzt, wo er in Rente ist, will er wieder mehr unterwegs sein. Ich bin gespannt – das wird mein erster Urlaub mit ihm, seit meiner Kindheit.
XM: Dann wünschen wir Euch auf jeden Fall viel Spaß! Im September ist es ja nicht mehr weit bis zum Start von EXPEDITION MARKE one 2019. Dürfen wir uns also auf ein cooles Kanada-Bild freuen?
Christian: Definitiv!

Mehr Bilder von Christian auf seiner Website und Instagram @holysh0t

Hier gibt’s Infos über EXPEDITION MARKE one – Der Outdoor Foto Award

Das Interview führte Markus