DENALI, ANTARKTIS, EVEREST:
JETZT WIRD'S ERNST

Mit der Carstensz Pyramide, dem höchsten Berg Ozeaniens, hat Nico im Oktober den vierten seiner Seven Summits bestiegen. Über die bislang ungewöhnlichste seiner Expeditionen und die drei jetzt noch ausstehenden „Hämmer“ Denali, Mt. Vinson (Antarktis) und Everest haben wir mit ihm in unserer Skylounge gesprochen.

Dann stieg der Expeditionsleiter in den Heli und war weg

XM: Nico, erstmal herzlichen Glückwunsch zum Gipfel der Carstensz-Pyramide. Wie war’s?
Nico: Eine harte, wirklich harte Nummer. Nicht wegen der Expedition und der Schwierigkeit des Berges an sich, sondern weil ich die ganze Zeit über mit einem heftigen Magen-Darm-Infekt zu kämpfen hatte. Außerdem passte unser Team nicht wirklich zusammen.

XM: Stimmt es, dass Euer Expeditionsleiter kurz nach dem Gipfel in den Heli gestiegen ist und Euch den Fünf-Tages-Marsch zurück durch den Dschungel allein hat absolvieren lassen?
Nico: Ja, das war – nett formuliert – schon komisch, dass er dann nicht mehr dabei war. Aber auch ansonsten war das menschlich gesehen die bislang schwierigste meiner Expeditionen. Einfach, weil es keine Führung, kein „Team“ gab. Jeder hat sein eigenes Ding durchgezogen. So etwas an einem anderen Berg – etwa dem Denali – und es kann auch schief gehen. 

Denali: Eine Alleinbesteigung ist nur Profis vorbehalten

XM: Du sprichst den Denali an. Ist es noch so, dass Du mit einer Alleinbesteigung liebäugelst?
Nico: Nicht ganz. Ich habe gesagt „ohne Bergführer“. Eine Alleinbesteigung ist nur Profis vorbehalten.

XM: Trotzdem ist eine Expedition ohne Bergführer ein größeres Risiko, oder?
Nico: Es ist vor allem ein organisatorischer Aufwand. Es gibt Listen und Berichte zur Besteigung des Denalis im Netz. Die sichte ich gerade. Es geht um Menge und Art der Nahrung, wo bekomme ich die notwendige Ausrüstung – z.B. Schlitten, Bambus-Markierungsstangen, Benzin für die Kocher – vor Ort her, wo muss ich mich für die Lizenz anmelden … Daher starte ich die Expedition nicht wie geplant im Mai 2019, sondern 2020. 

Wenn man etwas wirklich will und ein Ziel verfolgt, kann jeder seine Ziele erreichen

XM: Ist der Denali denn mit Deiner Erfahrung ohne Bergführer machbar?
Nico: Ich habe jetzt noch gute 1,5 Jahre für Training und Planung. So habe ich Zeit noch mehr über Gletscher und auch das Equipment zu lernen, aber körperlich und mental kann ich es. Wenn man etwas wirklich will und ein Ziel verfolgt, kann jeder sein Wissen so erweitern, dass er seine Ziele erreicht. Davon bin ich überzeugt.

XM: Und warum willst du diesen Aufwand betreiben?
Nico: Bisher bin ich mehr oder minder hinterhergelaufen. Ich hatte wenig Einfluss auf den Ablauf. Das will ich ändern und ein eigenes Team mit sechs Leuten aufstellen. Mal wirklich selbst seine Grenzen erweitern. Wenn Ihr noch Interessenten findet, freue ich mich. (lacht)

XM: Was heißt all das für die nächsten Jahre?
Nico: Da ich kein geborener Bergsteiger bin und erst in den letzten Jahren mit meinen Traumzielen angefangen habe, gibt es für mich noch viel zu entdecken. Geographisch, aber auch von den Fähigkeiten her. Der Mt. Blanc steht auf jeden Fall in 2019 an. Daneben geht es für mich um Eisklettern, Spaltenbergung, Skitouren, Winterbiwak etc. Langweilig wird mir nicht.

Everest: Mein heimlicher Wunsch ist die West Ridge

XM: Hand auf’s Herz. Ich weiß, er steht nach Deiner Planung erst 2023 an, aber denkst Du manchmal schon jetzt an den Everest? Etwa so beim Einschlafen?
Nico (lacht): Wenn Du damit meinst, ob er mich in meinen Träumen verfolgt, nein. Geplant war er ja schon für 2021. Aus verschiedenen Gründen schiebe ich den etwas nach hinten. Er ist das große Ziel. Vor allem, weil ich weiterhin überlege, nicht die bekannte Südroute zu machen. Außerdem will ich es ohne Sauerstoff versuchen. Es ist ein dreimonatiges Unterfangen, dessen Planung mich heute schon beschäftigt.

XM: Ernsthaft? Nicht die Südroute? Welche dann?
Nico: Rund 15 Routen führen heute zum Dach der Welt. Mein heimlicher Wunsch ist die West Ridge mit dem Hornbein Couloir. Eine sehr selten begangene Route, die technisch sehr anspruchsvoll ist. Der Vorteil: Ich stehe nicht im Stau mit den vielen anderen Bergsteigern. Der Nachteil: Diese Expedition muss ich selbst intensiv mit erfahrenen Partnern planen. Dadurch entstehen auch andere Kosten und ein anderer organisatorischer Aufwand. Daher ist das noch nicht in Stein. Vielleicht wird es dann doch die Nordroute.

Das Sammeln von Spenden ist für mich der achte und wichtigste Gipfel geworden

XM: Die Besteigung der sieben höchsten Berge aller Kontinente ist ja Bestandteil Deines Projekts „Seven Summits for Help“ mit dem Du weltweit Spenden zu Gunsten der Hilfsorganisation German Doctors sammelst. Weißt Du auswendig, wie viel dabei schon zusammengekommen ist?
Nico (überlegt): Nicht wirklich. Vielleicht so 25.000 Euro? Ich weiß es nicht genau. Aber ehrlich gesagt ist das auch gar nicht so wichtig.

XM: Bitte?
Nico (nachdenklich): Ja. Egal was Du sammelst, es ist doch immer zu wenig, wenn Du Dich einmal mit den Nöten und dem Leid der Menschen auf der Welt beschäftigt hast. Deshalb schaue ich immer nach vorn. Konzentriere mich auf die Fundraisingmöglichkeiten, die noch vor mir liegen. Überlege mir neue Wege an Geld zu kommen. Letztlich ist das Sammeln von Spenden für mich der achte und wichtigste Gipfel geworden.

XM: Du versuchst die Projekte zu besuchen, zu deren Gunsten Du das Geld gespendet hast. Gibt es da eines, das Dich besonders bewegt hat?
Nico: Es ist immer schwierig, die Projekte vor Ort zu besuchen, da sie sehr abgelegen sind. Das zeichnet die German Doctors aus. Sie sind da, wo Hilfe benötigt wird. Für das Kilimanjaro-Projekt war ich in einem Slum in Nairobi. Ich war total bestürzt, als mir die dortigen Helfer den eigentlichen Grund verraten haben, warum die Eltern ihre Kinder zur Schule schicken – da kommst Du mit unserer Denke hier nicht drauf: Weil die Kinder in der Schule mittags eine kostenlose warme Mahlzeit bekommen! Übrigens serviert von den German Doctors.

Was CREATON macht, ist ganz große Klasse

XM: Jetzt ist ja bald Weihnachten. Die besonders intensive Spendenzeit. Gibt es eine Spendensituation, an die Du Dich besonders erinnerst?
Nico: Definitiv. Das war mein Freund Subry. Ein Singhalese, der ein kleines Restaurant in Bremen betreibt. Er hat an einem Abend ein Spendenessen organisiert und alle Einnahmen an die German Doctors gespendet. Diese Unterstützung hat mich sehr berührt, weil so ein Gastronom auch nicht auf Rosen gebettet ist. Aber er hat versprochen, es zu wiederholen. Ansonsten ist natürlich das, was CREATON im Rahmen der Kampagne #weltderdaecher seit nunmehr zwei Jahren macht, ganz große Klasse. So einen Großspender an Bord zu haben ist unglaublich wichtig – auch für meine Motivation.

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Wer spenden will, kann das hier tun

Das Interview führte Markus

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