DIE E.O.F.T IST NUN VOLLJÄHRIG

Mit der Staffel 2018 / 2019 hat die European Outdoor Film Tour ein Kunststück geschafft: Attraktive Outdoor-Filme zu zeigen, ohne dabei in die auf Dauer langweilige Adrenalin- bzw. Hochglanzfalle zu tappen oder gar die ewig selben Klischees zu bedienen. Das ist im immerhin achtzehnten Jahr ihres Bestehens eine echte Leistung. Wir haben die EOFT in Augsburg mit dem Team besucht.

Ein Kurzprofil samt Kritik der Filme:

North of Nightfall

Handlung:
Zwei erfahrene und zwei Nachwuchs-Mountainbiker suchen und finden auf einer unbewohnten Arktisinsel die längsten Downhill-Lines ihres Lebens, besuchen eine Glaziologin bei der Arbeit und befragen sie zum Klimawandel.

Kritik:
Gefühlt der einzige „Profistreifen“ der Tour aus dem Red Bull Regal. Dennoch gelungen. Auch, weil die Wahnsinnslandschaft durch den aktuellen Klimabezug und unglaublich gefühlvolle Kameraperspektiven nicht zur reinen Sportkulisse verkommt. Manch einer – auch ich – mag sich dennoch fragen, warum man (klimaschädlich) in die Arktis fliegen muss, um dort mit Bikes bergab zu fahren und dabei auf den Klimawandel hinzuweisen. Aber selbiges ließe sich wohl auch über TV-Formate wie z. B. TERRA X sagen. Vielleicht müssen wir solche Widersprüche einfach aushalten, wenn dadurch entscheidende Themen medial mehr Präsenz bekommen.

Authentizität: 2/5
Story: 3/5
Bildgewalt: 5/5

A to B Rollerski

Handlung:
Ein ehemaliger Biathlonprofi wiederholt nach 30 Jahren das Abenteuer seines Lebens: Die Nord-Süd-Bezwingung der USA auf Rollerski.

Kritik:
Eine unglaubliche Geschichte, die natürlich stark vom leicht kauzigen Hauptcharakter lebt. Humorvoll und brillant erzählt. Einzig der Handlungsstrang ist durch die vielen (historischen und sozialen) Querbezüge teilweise etwas schwergängig.

Authentizität: 5/5
Story: 4/5
Bildgewalt: 2/5

The Frenchy

Handlung:
Ein 82-Jähriger ist noch als Extremsportler aktiv und erzählt von seinem bewegten Leben. Sein Motto: „No problem!“

Kritik:
Gefühlt der Sympathiekönig der kompletten Tour und sicher ein Kandidat für den in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindenden „Audience Award“. Was für ein unglaublich positiver und inspirierender Mensch, der da stets verschmitzt von seinen 23 „sportlichen Nahtoderfahrungen“ erzählt. Mit diesem Film wird jedem auf ewig die Ausrede genommen, für irgendein Abenteuer oder Traum „zu alt“ zu sein. Dazu gut gemachte und auflockernde Animationen. Mehr davon!

Authentizität: 5/5
Story: 5/5
Bildgewalt: 2/5

8.000+

Handlung:
Ein Informatikprofessor aus Frankreich überfliegt den Broad Peak per Paraglider und bricht dabei den Höhenweltrekord dieser Disziplin.

Kritik:
Erstaunlich und inspirierend, wie es dieser Film schafft ein Extremsportthema zu erzählen und dennoch so „nichtreißerisch“ zu bleiben. Vielleicht liegt das an der – trotz langer Haare, Bart und Zahnlücke – fast schon seriös wirkenden Hauptperson? Jedenfalls eine unglaubliche Geschichte, die man nicht glauben würde, hätte man sie nicht selbst erlebt – pardon – gesehen. Der „feuchte-Augen-Moment“: Die Freude des Protagonisten beim Überfliegen des Broad Peak, ein 8.000er Gipfel im Karakorum. Man spürt förmlich, dass über ihm nun nichts mehr kommt außer dem Weltall.

Großes Manko (): Die von ihm auf dem Weg zum Gipfel kurz zuvor überflogene Höhenbergsteiger-Expedition hätte man ruhig ausfindig machen und interviewen dürfen. Die müssen doch geglaubt haben, an Halluzinationen zu leiden. Mein absoluter Lieblingsfilm der Tour.

Authentizität: 5/5
Story: 4/5
Bildgewalt: 5/5

– PAUSE –

Nach insgesamt – durch Mehrfachausfüllungen im Rahmen von Familienbesuchen – 20 erfolglosen Teilnahmen habe ich dieses Jahr zum ersten Mal das Gewinnspiel sausen lassen. Einige Preise haben sowohl in Kaufering als auch in Augsburg zu Lachern geführt. Aus Respekt vor den Sponsoren nenne ich jetzt aber keine Namen.

Viacruxis

Handlung:
Ein Stop-Motion-Figurenfilm nimmt die „Expeditionsbergsteiger-Szene“ auf den Arm.


Kritik:
Der Film, über dessen Platz auf der E.O.F.T. sich auf den Gängen wohl am meisten gewundert wurde. Dennoch: Ich fand’s mutig, auch mal in diese Richtung zu gehen. Besser, als noch ein Hochglanzfilmchen, das man – so oder so ähnlich – eh jederzeit auf Youtube serviert bekommt. Mit viel Liebe zum Detail gemacht. Lacher inklusive. Ich sage nur „Selfie!“

Authentizität: 5/5
Story: 3/5
Bildgewalt: 1/5

Mbuzi Dume – Strong Goat

Handlung:
Ein ehemaliger Krebspatient hat sein Bein an die Krankheit verloren und besteigt nun den Kilimanjaro.


Kritik:
Äußerst anrührend und sehr gut erzählt, was die Handlung am Berg anbelangt. Leider kommt der Film jedoch nicht ohne den völlig deplatzierten „Klassiker“ aus, den Helden seinen Leidensweg erzählen zu lassen und dann mit der Kamera so lange auf seinem Gesicht zu bleiben, bis auch der letzte Zuschauer die rollenden Tränen gesehen hat. Schade, denn diese Story hätte das eigentlich gar nicht nötig. Ebenso wenig die Silhouette und theatralische Pose des „Einbeinigen“ am Filmende im Lichte der aufgehenden Sonne auf dem Gipfel. Sonst: Der Bruderfilm von „The Frenchy“.

Authentizität: 4/5
Story: 4/5
Bildgewalt: 3/5

The A.O.

Handlung:
Der weltbeste Kletterer macht sein Meisterstück.

Kritik:
Ich kenne Leute, die halten diesen Film für den besten der diesjährigen EOFT. Aus Respekt vor ihnen deshalb hier nur meine abgespeckte Meinung: Gut gemacht, streckenweise interessant und insgesamt toll erzählt. Aber: VIEL zu lang.

Authentizität: 4/5
Story: 3/5
Bildgewalt: 2/5

Frozen Mind

Handlung:
Vier (Profi?) Snowboarder und die Rolle der Berge in ihrem Leben, ihrer Freundschaft.

Kritik:
Hm. Ich muss gestehen, ich war positiv überrascht. Denn nach all den Fire & Ice und Powderstreifen ist es wahrlich nicht so einfach, die ewig gleiche Faszination spritzenden Schnees, steiler Pisten und sich abklatschender Athleten neu zu erzählen. Ich finde, das ist hier sehr gut gelungen. Störend: Die etwas zu theatralisch wirkende Stimme aus dem Off. Das macht die gute Musik samt Bildstimmung kaputt und hätte es auf Grund des Untertitels auch nicht gebraucht.

Authentizität: 2/5
Story: 2/5
Bildgewalt: 5/5

Gesamturteil

Best E.O.F.T. ever. Herzlichen Glückwunsch, so geht erwachsen!

Jetzt noch schnell anschauen? Die E.O.F.T. 18/19 ist noch bis Anfang Februar 2019 auf Tour.
Tickets gibt es hier: https://de.eoft.eu/de/programme/

Autor: Markus

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